Page 55

boss 02-2017

Die Vorhersagen zu Cybergefahren und -sicherheit für das kommende Jahr werden jährlich von den Kaspersky- Experten – dem Global Research & Analysis Team (GReAT) – getroffen und basieren auf deren umfassender Cybersicherheitsexpertise. Die Prognosen für das Jahr 2017 befassen sich mit den Auswirkungen maßgeschneiderter und frei verfügbarer Tools, dem zunehmenden Einsatz falscher Informationen bezüglich der dahinter stehenden Angreifer, der Anfälligkeit willkürlicher Internetverbindungen und damit weiterer Sicherheitsprobleme im Internet der Dinge sowie der Nutzung von Cyberwaffen im Rahmen eines Informationskrieges. Auch rechnen die Cybersicherheitsexperten mit einer erhöhten Anfälligkeit kritischer Infrastruktur über Cybersabotage sowie einer Zunahme von Spionage auf mobilen Geräten. Kurzlebige Infektionen Für 2017 erwartet Kaspersky Lab eine Zunahme von im Speicher aktiver Malware, die kein Interesse hat, nach einem Neustart noch verfügbar zu sein und sich daher von selbst aus dem Arbeitsspeicher löscht. Eine solche Malware, die generell für Spionage und für das Sammeln von Anmeldeinformationen bestimmt sein kann, wird von verdeckt operierenden Angreifern in hochsensiblen Umgebungen verwendet. So kann die Entdeckung der Attacke verschleiert werden. „Unsere Prognosen deuten auf dramatische Entwicklungen hin, allerdings gibt es auch entsprechende Verteidigungsmaßnahmen“, so Juan Andrés Guerrero-Saade, Senior Security-Experte bei Kaspersky Lab. „Wir glauben, dass es an der Zeit ist, eine Übernahme starker YARA-Regeln zu fördern. Diese ermöglichen es Experten, ein Unternehmen tiefgehend zu analysieren, Merkmale im Binärcode zu prüfen und zu identifizieren und den Speicher auf Fragmente bekannter Angriffe hin zu untersuchen. Kurzlebige Infektionen steigern den Bedarf an proaktiver und hochentwickelter Heuristik in fortgeschrittenen Anti-Malware-Lösungen.“ Bedrohungsvorhersagen 2017 Da Cyberangriffe eine immer größere Rolle in internationalen Beziehungen spielen, wird ihre Zuordnung ein zentrales Thema bei politischen Handlungsprozessen sein – etwa bei einer Vergeltungsaktion. Das könnte dazu führen, dass Kriminelle ihre Infrastruktur zum Massengebrauch freigeben oder sich für eine Open-Source- oder kommerzielle Malware entscheiden, um die eigene Identität zu verschleiern und den Angriff unter falscher Flagge durchzuführen. Bereits 2016 gab es vermehrt Veröffentlichungen über gehackte Informationen für aggressive Zwecke. Solche Angriffe dürften im Jahr 2017 weiter ansteigen. Es besteht die Gefahr, dass Angreifer die Bereitschaft der Menschen, solche Informationen als wahr anzusehen, ausnutzen, indem sie Informationen manipulieren oder nur selektiert weitergeben. Die Experten von Kaspersky Lab gehen auch davon aus, dass das Hacken und Verbreiten von Daten angeblich zum Wohle der Allgemeinheit zunehmen wird. Da Hersteller im Bereich Internet der Dinge weiterhin ungesicherte Geräte ausliefern, die Sicherheitsprobleme verursachen, besteht die Gefahr, dass Hacker diesen Umstand ausnutzen und so viele Geräte wie möglich deaktivieren. Da kritische Infrastrukturen und Fertigungssysteme auch mit dem Internet verbunden sind, ist die Versuchung für Cyberkriminelle groß, diese zu beschädigen oder zu stören; vor allem für fortgeschrittene Angreifer und in Zeiten steigender geopolitischer Spannungen. Kaspersky Lab erwartet zudem vermehrt Spionage, die auf Mobilgeräte abzielt. Denn die Sicherheitsindustrie kämpft um einen vollständigen Zugriff auf mobile Betriebssysteme, um forensische Analysen durchführen zu können. Außerdem rechnen die Experten mit einer Kommerzialisierung von Finanzangriffen. Ein Beispiel aus dem Jahr 2016 ist die Attacke auf das Bezahlsystem SWIFT. Diese Attacken werden mit Ressourcen durchgeführt, die in Untergrundforen zum Verkauf angeboten werden. Da Bezahlsysteme immer verbreiteter werden, werden sie auch bei Kriminellen auf ein sehr hohes Interesse stoßen. Im Laufe des aktuellen Jahres wird sich zeigen, welche Art von Tracking- und Targeting-Tools zunehmend in der Werbung verwendet werden, um mutmaßliche Aktivisten und Dissidenten zu überwachen. Ebenso werden Werbenetzwerke, die durch eine Kombination von IP-Adressen, Browser-Fingerabdrücken, Surf-Interessen und Login-Selektivität eine exzellente Zielprofilierung ermöglichen, von fortgeschrittenen Cyberspionageakteuren dazu genutzt werden, ihre Ziele präzise zu treffen und gleichzeitig ihre neuesten Toolkits zu schützen. �� Foto: Kaspersky Lab Das Internet der unsicheren Dinge stellt zunehmend eine Gefahr für Hacker-Angriffe und Attacken dar. boss 1/2-Februar 2017 Ι 55


boss 02-2017
To see the actual publication please follow the link above