boss - PRODUKTE
RECRUITING

Mitarbeiter gesucht

Gute Fachkräfte sind vor allem im mittelständischen Einzelhandel schwer zu finden. Der sächsische Bürospezialist Schmaus in Hartmannsdorf geht daher vielfältige Wege, um motivierte Mitarbeiter für sein Unternehmen zu gewinnen – boss sprach mit Daniela Schmaus über Ausbildung, Weiterbildung und Inklusion. Darüber hinaus gibt die Personalexpertin Birgit Ennemoser Tipps für ein erfolgreiches Recruiting im Einzelhandel.

Erstkontakt mit potenziellen Mitarbeitern von morgen: Daniela Schmaus (rechts) auf der Messe „Ausbildung 2017“ in Limbach-Oberfrohna.
Für den Einzelhandel wird die Suche nach geeigneten Fachkräften und Auszubildenden immer schwieriger. So zeigen aktuelle Zahlen des Bundesinstitutes für Berufsbildung, dass in den beiden Kernberufen des Einzelhandels die Zahl der Ausbildungsverträge trotz eines höheren Ausbildungsplatzangebots sinkt. Ende September 2016 schlossen die Händler demnach um 3,1 % weniger Ausbildungsverträge für Verkäufer und 3,8 % weniger bei den Kaufleuten im Einzelhandel ab. „In vielen Regionen finden die Handelsunternehmen nicht mehr ausreichend Nachwuchs. Wir brauchen mehr Wertschätzung für Ausbildungsberufe und die guten Entwicklungschancen, die die duale Berufsausbildung bietet“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Zugleich bleibe der Handel gefordert, selbst intensiv über die guten Beschäftigungs- und Entwicklungsperspektiven z. B. im Rahmen von Schülerbetriebspraktika zu informieren.

Daniela Schmaus (links) bei der Vorstellung des Projektes „Work-by-Inclusion“ mit Susanne Schwanitz, Industrie- und Handelskammer Chemnitz.


Schmaus bildet aus

Ein Unternehmen aus dem Bürofachhandel, welches dies vorbildlich umsetzt, ist die Schmaus GmbH in Hartmannsdorf bei Chemnitz. Um seine Kunden mit bestmöglichen Beratungsleistungen zu versorgen, legt das Unternehmen besonderen Wert auf die qualifizierte Ausbildung seiner Mitarbeiter. Trotzdem wird es auch hier zunehmend schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden, wie Prokuristin Daniela Schmaus bestätigt: „Dieses Thema ist gerade in unserer Region sehr deutlich spürbar. Ein Großteil der Schul- und Studienabsolventen verlässt zunächst die Heimatregion, da tendenziell in den westlichen Ballungsräumen bessere Berufschancen erwartet werden. Allerdings zeigt sich inzwischen wieder eine zunehmend positive Entwicklung der Chemnitzer Region.“

Messen, Events & Praktika

Um Kontakte mit potenziellen Fachkräften zu knüpfen, nutzt Schmaus vorrangig regionale Messen wie z. B. Karriere-Events regionaler Hochschulen und Kommunen oder auch die Ausbildungsmesse „Schule macht Betrieb“. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, neben persönlichen Bewerbungsgesprächen auch Schnupper-Praktika anzubieten. Darüber hinaus betreuten wir als Praxispartner zahlreiche wissenschaftliche Studien- und Abschlussarbeiten, aus welchen bereits langjährige Arbeitsverhältnisse zustande gekommen sind. Hierzu zählt auch eine Dissertation zum Thema „Flatrate für Bürobedarf“, welche von der Prüfungskommission der Technischen Universität Chemnitz mit „magna cum laude“ ausgezeichnet wurde“, berichtet Daniela Schmaus.

Qualität vor Quantität

Seit mehr als 20 Jahren bildet das Unternehmen in verschiedenen Berufen aus, so etwa Bürokaufmann/Bürokauffrau sowie Kaufleute im Groß- und Außenhandel und Fachkräfte für Lagerlogistik. Seit 2014 wird darüber hinaus die Ausbildung zum Fachinformatiker angeboten. Daniela Schmaus: „Das Ergebnis ist, dass unser Unternehmen heute einen erfahrenen und gleichzeitig mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren noch immer recht jungen Mitarbeiterstamm aufweist. Wir sind stolz, dass wir auch im vergangenen Jahr motivierte Auszubildende gefunden haben. Gern hätten wir noch weitere Ausbildungsplätze besetzt. Allerdings halten wir uns bei der Auswahl von geeigneten Bewerbern an die Regel: Qualität geht vor Quantität.“

Bildung wird groß geschrieben

Neue Mitarbeiter zu finden ist das eine Thema, bestehende zu halten das andere. Deshalb geht Schmaus stark auf die Weiterbildungswünsche seiner Mitarbeiter ein: „Neben regelmäßigen Produktschulungen bieten wir unseren Mitarbeitern im kaufmännischen Bereich die Möglichkeit, sich beispielsweise zum Zertifizierten Fachberater für Papier-, Büro- und Schreibwaren weiterzubilden. Dieses vom Handelsverband Büro und Schreibkultur (HBS) angebotene Schulungsprogramm schlossen bereits acht unserer 46 Mitarbeiter ab“, so Daniela Schmaus.

Handicap ist kein Hindernis

Weiterhin werden soziale Aspekte bei Schmaus groß geschrieben. So arbeiten zwölf Mitarbeiter mit sprachlichen, körperlichen oder geistigen Handicaps bei dem Bürobedarfsspezialisten. Darunter sind sechs Mitarbeiter gehörgeschädigt oder gehörlos. „Wir haben für diese besonders motivierten und loyalen Mitarbeiter ein eigenes Integrationsprojekt etabliert: Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen hörenden und gehörlosen Mitarbeitern wird derzeit an dem Forschungsprojekt ,Work-by-Inclusion’ in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München sowie dem Softwarehersteller CIM gearbeitet. Hier geht es um die Entwicklung einer Datenbrille, welche das beleglose Kommissionieren im Logistikbereich ermöglicht – sowohl für hörende als auch für nicht oder nur schwer hörende Mitarbeiter“, so Daniela Schmaus weiter. Dieses Forschungsprojekt wird mittels Zuwendungen aus dem Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Mittlerweile ist der Umgang zwischen Mitarbeitern mit und ohne Handicap zur Normalität geworden. Dazu hat auch ein Seminar über Gebärdensprache beigetragen, bei dem die hörenden Mitarbeiter gemeinsam mit den gehörlosen Kollegen Einblick in die Sprachwelt gehörloser Menschen erhielten. „In der verstärkten Einbindung von Mitarbeitern mit Handicap sehen wir einen Ansatz zum Ausgleich des spürbaren Fachkräftemangels und gleichzeitig die Vorbereitung auf unsere gelebte Personalpolitik von morgen.“ cs

Zum Unternehmen

Die 1990 gegründete Schmaus GmbH ist ein mittelständisches Fachhandelsunternehmen mit Standort in Hartmannsdorf bei Chemnitz. Das Unternehmen be­liefert deutschlandweit mehr als 40.000 Büroarbeitsplätze mit C-Artikeln rund um das Büro. Dazu gehören Papier-, Büro- und Schreibwaren, Gästebewirtungs­bedarf, Reinigungs- und Hygiene­artikel sowie kundenindividuelle Druckerzeugnisse und Werbemittel. Derzeit beschäftigt die Schmaus GmbH 46 Arbeitnehmer. Aktuell werden im Unternehmen drei Auszubildende angelernt.

Plattform für Handel und Studierende

Eine Karriere im Einzelhandel gehört bei Hochschulabsolventen bisher nicht zur ersten Wahl. Das soll die Online-Plattform EHI Retail Talents ändern. Denn um die Führungskräfte von morgen für den Einzelhandel zu begeistern, müssen sie diesen erst mal kennenlernen. Praktika oder Abschlussarbeiten im Marketing, in der Logistik oder im Business Developement sind nur einige der Möglichkeiten, wie das gelingen kann. Durch den gemeinsamen Auftritt des Handels auf einer Plattform erhalten die Studierenden eine bequeme Übersicht über alle aktuellen Ausschreibungen.

www.ehi-retail-talents.de


Interesse beim Bewerber wecken

Birgit Ennemoser von Auren Personalservice
EXPERTENTIPP | Bei der Mitarbeitersuche reicht es nicht mehr aus, nur einen Kanal zu bespielen. So unterschiedlich die Zielgruppen, so individuell müssen sie auch angesprochen werden. boss sprach mit Birgit Ennemoser von Auren Personalservice.

Frau Ennemoser, die Suche nach Mitarbeitern ist für viele Unternehmen zu einem echten Problem geworden. Wie stellt sich der Arbeitsmarkt heute dar?
Ennemoser: Der Bewerbermarkt hat sich stark verändert. Vor zwanzig oder sogar noch vor zehn Jahren mussten sich die Bewerber gegen eine Vielzahl von Kandidaten durchsetzen, mussten „kämpfen“, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Heute hat sich das Bild in vielen Bereichen um fast 180 Grad gedreht. Das Schlagwort des „war for talents“ ist zwar abgegriffen, beschreibt die Situation aber nicht schlecht: Die Unternehmen müssen um die Besten kämpfen. Mittlerweile ist die Situation sogar noch einen Schritt voran geschritten: In vielen Branchen ist der Bewerbermarkt leer und die Arbeitgeber müssen sich für potenzielle Bewerber erst einmal interessant machen bzw. neugierig machen.
Welches sind geeignete Kanäle, um Mitarbeiter bzw. Auszubildende im Handel zu finden?
Ennemoser: Darauf gibt es aus unserer Sicht keine einheitliche Antwort mehr. Unternehmen müssen Interesse wecken. Wie, das hängt vom Unternehmen und der zu besetzenden Position ab. So wird für die Suche nach einem Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungswesen der Weg über eine Anzeige kaum Sinn machen, da es sehr wenig geeignete Bewerber gibt. Oftmals ist hier eine Direktansprache von guten Kandidaten der bessere und schnellere Weg. Für eine Verkaufsposition auf der Fläche wird eine möglichst breite Personengruppe angesprochen, d. h. hier ist die Schaltung einer Anzeige in einem Tagblatt der Gegend oder einem Stadtanzeiger oft sehr erfolgversprechend, wenn sie richtig gestaltet ist. Auch Plakate oder Aushänge sind hilfreich. Eines der besten Medien ist sicher die Werbung durch die eigene Belegschaft, d. h. das Empfehlungsmanagement der Mitarbeiter untereinander.

Worauf sollten Unternehmer bei einer Stellenausschreibung besonders achten?
Ennemoser: Jedes Unternehmen sollte sich genau überlegen, welche Menschen es braucht und möchte. Sicher müssen wir auch in der Anspruchshaltung flexibler werden. Waren früher Vollzeitkräfte die beste Lösung, sind zur Abdeckung der Öffnungszeiten heute Teilzeitkräfte nicht wegzudenken. Die Arbeitszeiten im Handel sind zwar für manche Ausschreibungen von Nachteil, können aber z. B. bei studentischen Hilfskräften eine große Hilfe sein. Diese Personengruppe wird gerne nach den Vorlesungen und am Wochenende aktiv. Es ist also notwendig, mehr Zeit in die Überlegung zu investieren, wen ich ansprechen möchte. Dann kann die Ausschreibung im richtigen Medium erfolgen.

Was können Arbeitgeber tun, um für Bewerber attraktiv zu werden?
Ennemoser: Wichtig ist, dass ein potenzieller Bewerber die Vorteile der Position bzw. des Arbeitgebers erkennen kann. Welche das sind, muss sich jedes Unternehmen im Vorfeld überlegen und diese gegebenenfalls auch schaffen. Als hilfreich haben sich z. B. Details wie Gehaltsextras erwiesen; die Zahlung von Fahrtkostenzuschüssen sind oft ein Anreiz, da diese unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben netto zugewendet werden können. Hier gibt es eine große Zahl an weiteren Optionen bis hin zum Reinigungsservice. Solche Details zeigen, dass das Unternehmen sich Gedanken macht, wie bei den oft geringen Stundensätzen andere Anreize geschaffen werden können und vor allem Entlastung für den Arbeitnehmer denkbar ist. cs
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